Fröhliche Spiritualität angesichts des Todes

" Durch einen Ochsenstoß kam er in Gottes Schoß"

Wir haben etwas entdeckt: Totenbretter – lustig und makaber zugleich, die in ländlichen Regionen unter anderem in Süddeutschland zu begutachten sind. Sie amüsieren und regen zum Nachdenken an … oder?

Lachen ist menschlich. Wenngleich es im Tierreich durchaus Ansätze zum Lachen gibt, so lacht im vollen Sinne des Wortes nur der Mensch! Warum lacht er? Schwer zu sagen. Eine klare Definition von Humor und Lachen scheint beinahe unmöglich. Doch darf man sicher sagen, Humor und Lachen hätten mit spielerischer Grenzüberschreitung zu tun. Der Mensch ist immer schon über sich selbst hinaus gewachsen. Er ist mehr als er selbst. Er ist dazu berufen, sich spielerisch zu überschreiten und loszulassen. Diese spielerische Selbst-Transzendenz ist die Wurzel der Fähigkeit zum Lachen – ein Akt der Freiheit und Gelassenheit!

So ein echtes, freiheitliches Lachen ist immer Geschenk: Einen guten Witz kann man nicht machen; er geschieht, wann und wo er will. So können sich Humor und Lachen selbst an „unmöglichen“ Orten ereignen. Am Sterbebett, inmitten von Leiden, gibt es kostbare Augenblicke, in denen sich alles lichtet und ein befreiendes Lachen um sich greift – im Angesicht des Todes! Wie ist das möglich? Im Vorgriff auf die Osterhoffnung, dass der Tod ein Witz sei. Von daher darf man dann sogar mitten auf dem Friedhof schmunzeln und lachen – mit den Toten, über die Toten, und vor allem über sich selbst!

Vor diesem Hintergrund werden die „lustigen Totenbretter“ verständlich, die sich in Süddeutschland manchmal auf alten Friedhöfen finden lassen. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Bestattung der Toten in Särgen eingeführt. Vor dieser Zeit wurden Verstorbene in der Wohnstube auf Brettern aufgebahrt und auf diesen zu Grabe getragen. In manchen Gegenden – im Bayerischen und Oberpfälzer Wald, zwischen Lech und Ammersee, in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Landsberg, im Chiem- und Traungau sowie im Rupertiwinkel – hat sich seit dem 18. Jahrhunderts der Brauch entwickelt, diese Totenbretter zu bemalen und zu beschriften, um sie dann in dieser Form auf dem Friedhof aufzustellen. Im Folgenden werden fünf lustige Totenbrettsprüche zum Besten gegeben. Zugegeben: Diese Sprüche sind derb aber zugleich Teil der europäisch-christlichen Spiritualität. Wer den Tod wirklich ernst nimmt, der entdeckt, dass der Tod mehr als Ernst ist – er ist ein Witz!

Hier ruht Barbara Gschwendner, sie wog zweieinhalb Zentner. Gebe Gott ihr in der Ewigkeit, nach ihrem Gewicht die Seeligkeit!

Durch einen Ochsenstoß, kam er in Gottes Schoß. Er fand die ewige Ruh, durch dich, o Rindvieh Du!

Der durch seine Kunst war dienlich Kranken und Gesunden, allein für sich kein Kräutlein hat gefunden. Er musst dem Tod gleich anderen sich ergeben, mit Gott versöhnt hat aufgehört zu leben! (Apotheker)

Hier liegt Pfarrer C. Eberhart, ein Mann von alter, deutscher Art; von den Gelehrten war er keiner, aber von den Geschwinden einer. Kurz und gut haben’s die Bauern gern, drum trauern’s um ihren geschwinden Herrn!

Kaum hast du die Welt gesehen, in der schönsten Blütezeit, musstest du von hinnen gehen! (75-jährige Frau)

Karl-Heinz Steinmetz

Karl-Heinz Steinmetz

PD Lic. Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz, Direktor
Karl Steinmetz ist healthcare manager und Medizinhistoriker; er arbeitete in der Intensivpflege, hat Theologie, Philosophie, Geschichte und Erwachsenenbildung studiert, in München & Oxford promoviert, in Wien habilitiert und sich in Spiritualitätsforschung, Klostermedizin & Traditionelle Europäischer Medizin spezialisiert.

www.institem.at
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