Lisa Freund ist tot

Mit großer Trauer müssen wir bekanntgeben, dass unsere Freundin – die Mitgründerin und Mitherausgeberin von elysium.digital – am vergangenen Sonntag, 4. Februar 2024, gestorben ist.


Liebe Lisa,

wie viele Stunden haben wir in den vergangenen Jahren über Sterben und Tod gesprochen? Und nun schreibe ich Deinen Nachruf. Das ist unwirklich. So unwirklich, wie wohl nur der Tod sein kann.

Schon in unserem ersten Gespräch in einem Hospiz im Rheinland entstand die Idee, dass man all jene wunderbaren Geschichten, die sich in einem Hospiz ereignen, bewahren sollte, indem man sie niederschreibt. Und wir waren uns auch einig, dass ein Online-Magazin das richtige Medium sei.

Wie es so ist mit guten Ideen: Sehr schnell entfaltete sich dieser Gedanke und wir starteten ein Projekt, das immer weiter wuchs: „elysium.digital – Leben, Sterben, Tod, Werden“. Die Ideen flossen uns nur so zu. Schwieriger, als Inspirationen zu finden, war es manchmal, Text-Ideen nicht zu verwirklichen – denn wir wollten eng an dem von uns gesetzten Thema bleiben.

Wir lernten uns erst in den zahlreichen Gesprächen, Telefonaten und E-Mails nach der Gründung von elysium.digital wirklich kennen. Welch ein Schatz von profundem Wissen rund um alle spirituellen Themen im Zusammenhang mit Leben und Sterben Du in Dir trugst, wurde mir erst dann klar. Du hast ein Hospiz mitgegründet, warst Mediatorin in Hospizen, hast Bücher geschrieben und Vorträge und Seminare gehalten. Manchmal hat mich Dein umfassendes Wissen so beeindruckt, dass ich schon meinte, keine Artikel mehr schreiben zu können.

Deine im Wortsinn selbstbewusste Art nahm mir die Sorge, neben einer Expertin wie Dir bestehen zu können. Du hast mich ermutigt, meinen journalistischen Ansatz weiter zu verfolgen, während Du aus den tiefen Quellen Deines jahre- und jahrzehntelang erarbeiten Wissens schöpfen konntest. Damit konnten wir uns gut ergänzen.

Unfassbar viele Anregungen zum Nachdenken habe ich aus unseren Gesprächen mitgenommen. Ich habe völlig neue Dinge gelernt, beispielsweise zum „Spirituellen Testament“ oder zu „Gedenkorten ohne Sarg und Urne“ , „Biografiearbeit am Lebensende“ und vieles mehr. Du hast mir Mut gegeben, mit Menschen über den Tod zu sprechen, Interviews zu führen. Und mit deinem feinen, manchmal mädchenhaften Humor konntest Du mir erklären, welche Schnitzer mir dabei gelegentlich unterliefen. Und zugleich zeigten unsere nicht wenigen intensiven Auseinandersetzungen, wie sehr Kontroversen eine Freundschaft auch stärken können, wenn man ein gemeinsames Fundament hat.

Ja, ich habe viel gelernt von Dir. Und dafür werde ich Dir immer dankbar sein.

Anfang Februar bist Du im Ricam-Hospiz gestorben. Im Seminarzentrum dieses Hospizes warst Du Dozentin. Es hat mich sehr beruhigt zu wissen, dass Du hier liebevolle Begleiter*innen auf Deinem letzten Weg hattest.

Dass Menschen „durch den Tod“ gehen, war eine jener für mich zunächst unverständlichen Formulierungen, die Du oft benutzt hast. Was es für Dich bedeutete: Wir gehen durch ein offenes Tor, von einer Welt in eine andere. Und diese Redewendung war für Dich kein theoretischer Gedanke, Du hast ihn wirklich gelebt. Ich habe deshalb keinen Augenblick gezweifelt, als Du mir sagtest, dass Du keine Angst vor dem Tod hast. Mit dem Blick auf ein Foto der von Dir so geliebten irischen Küste bist Du gegangen.

Und ich bleibe zurück, all Deine guten Freunde bleiben zurück. Wir müssen mit der Trauer leben. Die Trauer wird bleiben. Aber wie schön zu wissen, dass wir jederzeit eines Deiner Bücher in die Hand nehmen können, um uns von Dir selbst Rat zu holen.

Liebe Lisa, Du bist uns vorausgegangen. Wir haben das Tor, durch das Du gingst, fest im Blick. Ein Teil von Dir wird auch hier, im elysium.digital, weiterleben.

 

 

Michael Ziegert
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Eine Antwort

  1. Ulrike Schattmann sagt:

    Ich bin sehr sehr traurig und voller Trauer, daß Lisa so früh gestorben ist. Wir kennen uns schon sehr lange. Ich habe es eben erfahren. und würde sehr gerne zum Gedenken später zu ihr ans Grab gehen. Und würde mich sehr freuen, wenn ich vielleicht auch zur Beerdigung oder Trauerfeier kommen könnte. Ich freue mich sehr über eine Antwort. Danke. Mit herzlichen Grüßen aus Charlottenburg, Ulrike Schattmann

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