Umgehen mit Trauer

besonders für Menschen mit körperlicher und geistiger Beeinträchtigung

Hier finden Sie knappe Hinweise darüber, wie Sie trauernden Menschen, die beeinträchtigt sind, ganz sinnlich, mit viel Liebe und Mitgefühl helfen können mit der Lebenskrise, die ein Verlust auslöst, umzugehen. Die Tipps sind sehr konkret und lebenspraktisch und ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Es geht um Hilfestellungen zur Bewältigung eines Verlustes und den Trost, den wir erfahren können, wenn wir miteinander verbunden sind.

Die Tatsache des Verlustes akzeptieren

  • den Trauernden einen Platz suchen lassen, an dem er sich geborgen fühlt
  • eventuell den Kontakt zur Familien aufnehmen
  • angemessener Körperkontakt: wohltuende Nähe geben
  • Wege finden, über den Tod zu sprechen
  • Collagen gestalten
  • Miteinbeziehung in Rituale, religiöse Traditionen den Abschied am Kranken- oder Totenbett (etwas persönlich Bedeutungsvolles aussuchen, mitnehmen, mitgeben, Sinne ansprechen)
  • zum Grab gehen; den Besuch vorbereiten, gestalten
  • Den Trauergottesdienst auf Video oder Audiotape aufnehmen, wenn ein Besuch nicht möglich ist. Den Film im Rahmen eine kleinen Abschiedsfeier in der Einrichtung vorführen
  • Zusammen Dankesschreiben oder die Einladung für die Trauerfeier gestalten und verschicken, dabei miteinander über den Abschied sprechen.
  • Nach der Beerdigung zusammen kommen, eine Kerze entzünden, Saft und Tee trinken, miteinander weinen und lachen; für den Verstorbenen ein Gedeck mit auf den Tisch stellen, ihn einladen und ihm eingießen und etwas auf den Teller geben.
  • Das Wesen des Todes veranschaulichen mit Hilfe von Seifenblasen, Himmel und Wolken, einer Uhr, die tickt und dann still steht, den eigenen Herzschlag spüren (Leben), Stromkreislauf: Licht an und Licht ausschalten, den Jahreszeitenkreislauf deutlich machen, die Geschichte von der Raupe, die zum Schmetterling wird, erzählen; Fotos von einem Baum im Wechsel der Jahreszeiten betrachten, im Herbst Blätter sammeln und über das Wachsen und Welken von Blättern sprechen und vieles mehr
  • einen Gedenkplatz im Zimmer des Bewohners oder Gemeinschaftsraum einrichten, ihn gemeinsam gestalten und nutzen

Den Schmerz der Trauer fühlen

  • Da sein, Raum geben, auf den Trauernden eingehen, ihn ermuntern zu seufzen oder zu stöhnen, zu klagen, Bewegungen der Person wiederholen und Reaktion beobachten
  • Deutlich machen, Trauer ist normal, weinen ist erlaubt.
  • Sich kümmern (Taschentücher bringen, etwas zu trinken holen, die Fotoalben heraussuchen und betrachten usw.), den Trauernden im Arm halten, streicheln.
  • Bücher verwenden, die den Tod erklären, z.B. Kinderbücher
  • Hilfsmittel benutzen, um die Stimmung zu erfassen (Smilies)
  • Gefühle der Trauernden wahrnehmen und bestätigen, den angemessenen Ausdruck für die Gefühle erlauben, dazu ermutigen und den Trauernden stützen, halten.
  • Merksätze verwenden (Ich werde es schaffen.)
  • Ermunterung zum Singen, Malen, formenden Gestalten
  • Schattenriss des Körpers machen, an die Wand hängen und Farben geben, die ausdrücken sollen, wie sich die Trauernde fühlt. Darüber reden.
  • Gebete, Zitate finden, Geschichten vorlesen, die Kraft geben.
  • Ein Bild malen, das an den Verstorbenen erinnert, eine Skulptur formen.
  • Ans Wasser gehen, einen Fluss beobachten, Wassertropfen verfolgen bis zur Auflösung, miteinander Boot fahren
  • Eine Botschaft zum Grab bringen, dort niederlegen oder vergraben
  • Eine brennende Kerze auf einem Blatt in einem Fluss oder einer Schale schwimmen lassen, ihr zu- oder nachschauen
  • Kerzen anzünden, kleine Kerzenrituale zelebrieren
  • Musik nutzen: Musik aufnehmen, die tröstet, zusammen hören
  • Eine Entspannungskassette mit Instrumentalmusik herstellen.
  • Steinchen und Luftballons beschriften auswählen, über das Thema reden
  • In der Natur sein, Spaziergänge machen, heilsame Orte aufsuchen

Sich anpassen an ein Leben, in dem der Verstorbene fehlt

  • Bewegung und Tanz als Gefühlsausdruck
  • Fotos des Verstorbenen vergrößern, einrahmen; ein Album anlegen
  • Einen Gegenstand besorgen, der dem Verstorbenen gehörte (Erinnerung) und ihn würdevoll und mit Vorschlägen übergeben
  • Öfter miteinander zum Friedhof fahren
  • Erinnerungsessen gestalten mit dem Lieblingsgericht des Verstorbenen z.B. , Abende planen, an denen man Lustiges und Erinnerungen austauscht, gedenkt.
  • Zum Todestag Kerzen anzünden, vielleicht zusammen zum Grab gehen, ein Licht dort anzünden, einen Stein mitnehmen oder eine Botschaft hinterlassen.
  • Ein Erinnerungsbuch anlegen (Fotos, Todesanzeigen, Kartengrüße, Briefe an den Verstorbenen,
  • Dinge des Verstorbenen in einer Schachtel sorgfältig sammeln. Sie wird zur Erinnerungsbox (oder zum Erinnerungskoffer). Sie kann immer wieder geöffnet werden. Gegenstände können betrachtet, berührt, heraus genommen, in den Alltag integriert, wieder zurück gelegt werden.
  • Aus einem schönen Beutel mit Steinen, z.B. kleinen Edelsteinen, die Trauernde einen wählen lassen. Das ist der Gedenk- oder Erinnerungsstein für die Hosentasche. Während die Trauernde den Stein in der Hand hält, über die Aufgabe des Steins reden.
  • Etwas gestalten: einen Erinnerungsgegenstand, eine Kette oder Perlen, ein Patchworkstück aus Materialien, die der Verstorbenen gehören oder die an sie erinnern.
  • Gemeinsam Blumen besorgen für einen Gedenkgottesdienst oder eine Erinnerungsfeier in der Wohngruppe, z.B.am Geburtstag der Verstorbenen oder zu einem Festtag
  • Ermutigen, Geschichten zu erzählen über den Verstorbenen, die Erinnerung anregen, eine Zeitskala verwenden
  • Mehr als sonst auf die Gesundheit achten, den Entwicklungsprozess der Trauernden beobachten, Hilfestellungen anbieten
  • Informationen über das Sterben geben (Kinderbücher, den Lebenskreislauf betonen s.o.), das Verbundensein in den Vordergrund stellen

Lebenskraft spüren und in Neues investieren

  • Etwas pflanzen (Samen, Strauch, Zwiebel, Baum)
  • Möglichkeiten schaffen, in denen der Trauernde verwaisten Menschen helfen kann
  • Neue Freizeitbeschäftigungen und Kontakte suchen
  • Körperliche Aktivitäten fördern
  • Mehr in der Natur sein (Park, Wasser)
  • Den Trauernden ermutigen, Aufgaben des Verstorbenen zu übernehmen
  • Mit Kerzenritualen und anderen das Loslassen ermöglichen
  • Neue Lebenspläne schmieden (Ausbildung, Reisen etc.) und in Angriff nehmen
  • Zusammen den Besitz des Verstorbenen auflösen und eventuell weiter geben
Lisa Freund

Lisa Freund

Lisa Freund ist Mitgründerin von Elysium.digital. Die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod ist für mich immer wieder neu. Sie bewegt mein Herz und erweitert meinen Horizont.
Lisa Freund

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