Hoffen, wenn es offensichtlich nichts mehr zu hoffen gibt?

Hoffnung stellt in unserem Leben etwas elementar Wichtiges dar.

Was ist das eigentlich – Hoffnung? Der Autor stellt Überlegungen darüber an, was der eigentliche Sinn dieses Wortes und der damit verbundenen inneren Befindlichkeit ist. Er widmt sich auch dem Thema Hoffnung am Ende des Lebens.

Hoffnung stellt in unserem Leben etwas elementar Wichtiges dar.

Aber was ist Hoffnung?
In einem ersten Zugriff könnte man sagen, sie bezeichnet die positive Erwartung und Zuversicht, dass etwas Wünschenswertes eintritt, ohne dass es darüber eine letzte Gewissheit gibt. Das Besondere an Hoffnung ist, dass sie uns in die Lage versetzt, uns auf Zukunft hin zu öffnen. So kann sie uns die Kraft geben, die Last der Gegenwart zu tragen, und verhindern, in unserem Handeln gelähmt zu sein.

Ein konkretes Beispiel:
Herr Bork ist schwer an Krebs erkrankt. Er ist zunächst zuversichtlich, dass er vollständig geheilt wird und alles wieder wie früher sein wird. Nach vielen Therapien, auf die er sich einlässt, gibt ihm jedoch der Arzt zu verstehen, dass alle zur Verfügung stehenden medizinischen Möglichkeiten eingesetzt und ausgereizt sind und keine Chance auf Heilung mehr besteht. Herr Bork ist erschüttert und verzweifelt. Er erlebt seine Lage als „hoffnungslos“.

Aber ist dem auch so?
Ich denke, nicht notwendigerweise. Um das zu verdeutlichen, schlage ich vor, uns noch einmal dem zuzuwenden, was „Hoffnung“ eigentlich meint. „Hoffnung“ stellt nicht einfach die zeitliche Verlängerung eines in der Gegenwart erlebten oder gewünschten Zustandes in die Zukunft hinein dar. Das wäre meines Erachtens zu kurz gegriffen. Hoffnung hat es eher mit dem Erleben von Sinn- und Wertvollem zu tun, das anhalten oder neu entdeckt werden kann.

Solche persönlich wertvollen Erfahrungsmöglichkeiten kann es für Herrn Bork grundsätzlich auch weiterhin geben. Es handelt sich hierbei um Momente tiefer existenzieller Erfahrung, die die Sinnhaftigkeit unseres Daseins aufleuchten lassen und so Kraft und Hoffnung geben, auch schwierige Situationen im Leben mit wachsendem inneren Einverständnis bewältigen zu können. Für Herrn Bork ist es wichtig, sich mit der Zeit wieder schrittweise hierfür öffnen zu können.

Vielleicht gelingt ihm das aus sich heraus, vielleicht bedarf es aber auch der Unterstützung ihm nahestehender Angehöriger oder Begleiter. Es geht hierbei um Menschen, die ihm zuhören und erspüren, wie es ihm gerade innerlich geht, und die versuchen, ihn so anzunehmen, so zu „tragen“ oder auch zu „ertragen“, wie er gerade „ist“. Im gemeinsamen Austausch, der die Trauer, die Verzweiflung, aber auch die kleinen Freuden und Hoffnungen des Alltags aufnimmt, kann persönliche Begegnung ganz neu Wirklichkeit werden. Eine Begegnung, die den Zugang zu dem, was als wichtig und wertvoll erlebt wird, wieder in das Gespür und den Blick kommen lässt.

Gegebenenfalls erwächst Herrn Bork die schöne und tiefe Erfahrung, selbst in der schlimmen Situation dieses Leidens nicht alleine zu sein. Womöglich spürt er, dass er einem anderen Menschen so wichtig ist, dass dieser ihn selbst dann noch mitzutragen versucht, wenn er sich vielleicht selbst kaum noch ertragen kann.

Solche oder ähnliche Erfahrungen können ihm und seinen Angehörigen Kraft und Hoffnung im Leiden und Sterben geben. Vielleicht erleben Herr Bork und seine Angehörigen, dass es jenseits medizinischer Heilung etwas gibt, das Bestand hat und eine tieferliegende Sinnerfahrung ermöglicht.

Was ist Hoffnung?
Der bekannte tschechische Schriftsteller Vaclav Havel fasst es so zusammen: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ Dem möchte ich mich anschließen.

Hoffnungen schwerkranker Menschen

  • die Hoffnung, schmerzfrei bleiben zu können;
  • die Hoffnung, mit den Symptomen der Krankheit umgehen zu können;
  • die Hoffnung, am Leben anderer noch lange teilnehmen zu können;
  • die Hoffnung auf gute Stunden, die man genießen kann;
  • die Hoffnung, lange selbst mitentscheiden zu können;
  • die Hoffnung, mit der Wahrheit behutsam konfrontiert zu werden;
  • die Hoffnung auf ein friedliches Sterben;
  • die Hoffnung, einmal noch wegzufahren, spazieren zu gehen;
  • die Hoffnung, Wichtiges noch erledigen zu können;
  • die Hoffnung, seinen Aufgaben noch ein wenig gerecht werden zu können;
  • die Hoffnung, noch ein paar Tage zu haben;
  • die Hoffnung, nicht allein zu sterben;
  • die Hoffnung, sich bis zuletzt mitteilen zu können;
  • die Hoffnung, Hilfe annehmen zu können;
  • die Hoffnung, Tränen zeigen zu können;
  • die Hoffnung, Gefühle – alle Gefühle- zeigen zu können;
  • die Hoffnung, sich mit Gott aussöhnen zu können;
  • die Hoffnung, dass nach dem Tod nicht alles aus ist;
  • die Hoffnung, dass man in der Erinnerung der Menschen weiterlebt;
  • die Hoffnung, dass man Spuren hinterlässt;
  • die Hoffnung, Gott zu begegnen;

nach Peter Godzik:
Von der Wahrheit am Krankenbett und dem Prinzip Hoffnung. 2007

Karl-Heinz Kloock-Eimermacher

Dipl. Theologe
Logotherapeut und existenzanalytischer Berater (Akademie für Logotherapie und Existenzanalyse – GLE-D)
Heilpraktiker (Psychotherapie)

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