Die Patientenverfügung

Sie wollen selbstbestimmt leben? Selbstbestimmung heißt auch: Ich übernehme die Verantwortung für mich bis zum Lebensende. Das ist gar nicht so leicht. Weil wir den Eindruck haben, sterben, das tun nur die anderen, nicht ich, schieben wir das leidige Thema Vorsorge für das Lebensende gerne auf die lange Bank. Das gilt besonders für die Patientenverfügung. Wenn Sie es jedoch geschafft haben, diese auszufüllen, zu unterschreiben und zu hinterlegen, dann werden Sie eine große Erleichterung spüren. Allein hinschauen und anerkennen, dass das Leben eines Tages zu Ende geht, ist befreiend und gibt Kraft. Energie, mit der Sie das Thema verdrängt haben, kommt wieder in Fluss. Es lohnt sich also das Ganze anzugehen, nicht nur deswegen … 


geralt-pixabay-advance-directive-1594729_1280Die großartigen Möglichkeiten der modernen Medizin, Leben zu verlängern, birgt auch Gefahren in sich, besonders in der letzten Lebensphase. Es ist möglich, dass ein Mensch hilflos an Apparaten und Schläuchen hängt, und damit das Sterben verlängert und zur Qual wird. In der Patientenverfügung können Sie Ihren Willen äußern und kund tun, was für Sie eine würdevolle Behandlung bis zuletzt ist, und welche medizinischen und pflegerischen Maßnahmen Sie unter bestimmten Umständen ablehnen. Ärzte sind heute verpflichtet, die in der Verfügung formulierten Wünsche bei Ihren Entscheidungen für eine Behandlung in den Vordergrund zu stellen.

Was ist eine Patientenverfügung?

Es ist ein Dokument, in der eine Person im Voraus, für den Fall, dass sie ihren Willen nicht mehr erklären kann, diesen schriftlich hinterlässt. Es geht um die Frage: Wie bestimme ich, was medizinisch und pflegerisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin?

Reicht die Patientenverfügung aus?

Nein. Sie sollte gekoppelt werden mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Betreuungsverfügung.

Wie kann ich mich informieren?

Eine solche Verfügung will wohlüberlegt sein, denn es geht um Ihr Sterben und um Ihren Tod. Es ist daher notwendig, sich mögliche Todesszenarien vorzustellen und genau zu überlegen, was Sie wollen und was nicht. Der erste Schritt zur Verfügung ist also die eigene innere Vorbereitung. Sie machen sich klar, dass Sie sterblich sind und setzen sich mit möglichen Todesumständen auseinander. Dann informieren Sie sich über das, was in einer Verfügung stehen kann und welche Reichweite Ihre Entscheidungen haben. Sie klären auch, wer im Notfall Ihre Bedürfnisse und Interessen vertreten soll und wie.

Man lässt Sie bei diesen schwierigen Überlegungen nicht allein. Es gibt zahlreiche, kostenlose regionale Beratungsangebote, zum Beispiel von Hospizen und palliativmedizinischen Einrichtungen, von Vereinen oder Juristen, die man im Internet findet. Ebenso werden immer wieder öffentliche Vorträge in der jeweiligen Wohnregion angeboten, die man meist in der regionalen Presse findet. Auch Radio und Fernsehen, die Presse haben öfter Informationssendungen zum Vorsorgethema.

Wie kann ich mich vorbereiten, klären, was ich will?

Sie benötigen ein bisschen Mut, eine halbe Stunde Zeit und ein Zimmer, in dem Sie ungestört sein können.

  1. Setzen Sie sich auf einen bequemen Stuhl. Schließen die Augen und richten Sie die Aufmerksamkeit für einige Zeit auf Ihren Atem.
  2. Jetzt stellen Sie sich vor, wie sie gerne am Lebensende versorgt sein möchten. Vielleicht hilft es Ihnen, dass Sie sich als älteren, ein wenig gebrechlichen Menschen vor sich sehen. Denken Sie daran, das Leben geht nun zu Ende. Alles, was Ihnen gut tut, was Sie sich wünschen für diese Zeit, stellen Sie sich vor.
  3. Nun überlegen Sie, was Sie nicht wollen, wenn das Leben zu Ende geht.
  4. Am Schluss denken Sie daran, wie schön das Leben jetzt ist. Sie haben so viele Möglichkeiten…
  5. Atmen Sie tief ein und freuen Sie sich über ihr Leben, denken Sie daran: Nichts ist selbstverständlich.
  6. Öffnen Sie die Augen. Kommen Sie wieder Zuhause an.
  7. Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und einen Stift und notieren Sie Ihre Wünsche und Erkenntnisse.

Der nächste Schritt ist, Sie informieren sich über das, was man in eine Patientenverfügung hineinschreibt und wie man persönliche Wünsche, Bedürfnisse und Bedenken in Bezug auf das Lebensende (oder eine Situation, in der man medizinische Hilfe benötigt und vorübergehend entscheidungsunfähig ist) eindeutig und verständlich formuliert. Sie finden am Ende dieser Seite Unterstützung in unseren Links dazu.

Das Verfassen der Patientenverfügung

Sie können sich vorher beraten lassen (kostenlose Beratungsangebote, siehe unten) oder schon vorgefertigte Formulierungen mit Hilfe der Module des Bundesministeriums der Justiz  zu einer Beratung mitnehmen. Dann kommt der Feinschliff mit allem, was dazu gehört. Wesentlich ist eine gute Kommunikation mit Menschen, die Ihre Interessen vertreten sollen und die Überlegung, wo und wie Sie die Verfügungen hinterlegen.

Feiern Sie sich, wenn Sie die Verfügung fertig haben

Wenn alles erledigt ist, gehen Sie aus, verwöhnen Sie sich, feiern Sie Ihren Mut, dem Tod ins Auge geblickt zu haben, und vergessen Sie nicht den Merksatz: Wenn alles anders kommt, ist es auch in Ordnung für mich.

Wir haben es nicht im Griff, welche Umstände wirklich eintreten, denn das Unberechenbare, unseren Tod können wir nicht wirklich kontrollieren. Dennoch macht es Sinn, die Verantwortung für sich bis zuletzt zu übernehmen und sich mit der eigenen Leb – endig –keit auseinander zu setzen.

Basisinformationen erhalten Sie hier:

Bundesministerium für Justiz

Hier gibt es gut gegliederte Informationen sowie den Zugang zu etlichen kostenlosen Broschüren zum Thema Vorsorge. Die kostenlose Broschüre zur Patientenverfügung, die immer wieder aktualisiert wird ebenso wie das Heft über die Betreuungsverfügung, können Sie downloaden oder sich zuschicken lassen. Vordrucke für eine Vorsorgevollmacht als Ergänzung zu einer Patientenverfügung stehen zum Download bereit. Zur Patientenverfügung gibt es Text-Module, die sie sich auf den Computer laden können. Aus Ihnen kann man einfach und problemlos einen eigenen Verfügungstext zusammen stellen.

www.bmj.de

Bundesärztekammer

Hier finden Sie Erklärungen in Kürze, Vordrucke für Verfügungen sowie wertvolle Publikationen zum Thema, die deutlich machen, wie Ärzte mit den Vollmachten umgehen sollen. Das ist aus Patientensicht nicht nur interessant sondern auch wichtig.

http://www.bundesaerztekammer.de/patienten/patientenverfuegung/

Informationen zur Registrierung der Patientenverfügung finden Sie hier:

https://www.bnotk.de/Buergerservice/Informationen/Vollmacht/Patiententestament.php

http://www.vorsorgeregister.de/ZVR-Zentrales-Vorsorgeregister/Zentrales-Vorsorgeregister-ZVR.php

Verfügung für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung

Diese schön gestaltete und sehr hilfreiche Broschüre kann man hier im Internet für eine Gebühr bestellen:

http://www.foerderverein-bonn-beuel.de/bilder/patientenverfuegung_72-1.pdf

Buchempfehlung

In beiden Büchern wird das Vorsorgethema mit all den nötigen Sachinformationen im Kapitel „ Der Schwellenprozess“ vom Testament über die Bestattungsverfügung und das spirituellen Testament in einen gedanklichen und meditativen Prozess eingegliedert. Sie blicken in die Endlichkeit und in die Unendlichkeit Ihres Seins, was sehr bereichernd ist. „Geborgen im Grenzenlosen“ enthält eine CD mit Meditationsanleitungen. Der preisgünstigere Taschenbuchband „Sterben können“ hat keine CD und ist inhaltlich abgespeckt.

Lisa Freund

Geborgen im Grenzenlosen
Neue Wege im Umgang mit dem Sterben

ISBN: 978-3-426-29212-9

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Lisa Freund

Sterben können
Wie wir uns darauf vorbereiten wie wir Abschied nehmen wie wir Nahestehende begleiten

ISBN: 978-3-426-87526-1
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Bücher der Autorin:

http://www.droemer-knaur.de/buecher/7740032/lisa-freund

Lisa Freund

Lisa Freund

Lisa Freund ist Mitgründerin von Elysium.digital. Die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod ist für mich immer wieder neu. Sie bewegt mein Herz und erweitert meinen Horizont.
Lisa Freund

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1 Antwort

  1. 7. Oktober 2016

    […] Vorsorgevollmacht wird besonders wirksam in Kombination mit einer Patientenverfügung. Sie bestimmen, wer Ihre Interessen vertreten soll, wenn Sie das nicht mehr können. Das ist eine […]

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