Buch: Wer bis zuletzt lacht, lacht am besten

Humor am Krankenbett und in der Palliative Care, von Heinz Hinse und Karl-Horst Möhl

Im folgenden beschreibt Heinz Hinse die Ursprünge seines Klassikers „Wer bis zuletzt lacht, lacht am besten“. Das Buch sammelt eine Vielzahl von Karikaturen von ihm und Karl-Horst Möhl, die sich mit viel Humor mit Sterben und Tod befassen. Darunter finden Sie eine Auswahl der Zeichnungen aus seinem Buch.


Heidelberg, Januar 2008. Mein Abendvortrag „Humor im Hospiz“ war eher gedacht für „Insider“ der Hospizarbeit: Ärzte, Pflegekräfte, Seelsorger und ehrenamtliche Hospizhelfer. Sie wissen halt im Umgang mit Sterben und Tod die entlastende Wirkung des Humors besonders zu schätzen. An diesem Abend aber war unter den Zuhörern ein persönlich betroffener Patient, der an Kehlkopfkrebs erkrankte Lokalredakteur und Karikaturist der Rhein-Neckar-Zeitung Karl-Horst Möhl. Mein Vortrag und die darin verwandten Karikaturen hatten ihn motiviert, mit mir zusammen ein Buch mit Karikaturen zu den Themen Krankheit, Sterben und Tod herauszubringen. Ich stimmte seinem Vorschlag sofort zu, zumal mich immer wieder Zuhörer von Vorträgen zu einem solchen Buch angeregt hatten.

Die Zusammenarbeit mit Karl-Horst Möhl, der mir bald zum Freund wurde, war für mich ein berührendes und bereicherndes Erlebnis. Sein Kehlkopfkrebs machte ihm das Sprechen schwer, aber mit seinen Augen und vor allem mit seinen Karikaturen konnte er ausstrahlen, was ihm trotz der Nähe zum Tod an Lebensfreude und Liebenswürdigkeit geblieben war. Den von ihm gewählten Titel unseres Buches „Wer bis zuletzt lacht, lacht am besten“ hat er gelebt. Es war sein persönlicher Weg, mit Angst und Verzweiflung in vier Jahren Krebskrankheit umzugehen. Mit unserem Buch wollte er auch anderen Patienten zeigen: Der Humor ist ein Weg, auch wenn ihn nicht viele gehen können.

moehl-kleidIn drei Monaten war das Werk gelungen. Die enthaltenen Karikaturen illustrieren selbst erfundene und gefundene Texte oder zitieren Werke von Karikaturistenkollegen. Bei der Präsentation im Verpackungsmuseum Heidelberg kam es zu einer sehr berührenden Szene: Almut Rose, die Ehefrau von Karl-Horst Möhl, kam in einem „kurzen Schwarzen“. Vor der Brust hatte sie ein weißes Papier angeheftet mit der Aufschrift: „Steht mir doch gut, oder?“ – Damit zeigte sie, wie sehr sie sich mit dem Werk ihres Mannes und seinem Humor im Angesicht des Todes identifizierte, vor allem mit dieser Karikatur in seinem Buch.

Das Buch, im Selbstverlag herausgegeben, wurde bald ein ziemlicher Erfolg.

Der Lebensweg von Karl-Horst Möhl endete fünf Monate später am 29. April 2009. Noch am Vortag hatte er eine Karikatur für die Rhein-Neckar-Zeitung geliefert. Bei seiner Beerdigung – in dem wunderschönen, von ihm selbst gestalteten Sarg – habe ich für mich gedacht: „Wer bis zuletzt lacht, lacht am besten – aber danach darf auch geweint werden.“

Mit Almut Rose habe ich „im Sinne des Verstorbenen“ unser Buch weiterhin noch vielen Menschen, auch Patienten, zugänglich gemacht. Bei den Bestellungen per E-mail gab es immer wieder interessante Hinweise, wo jemand das Buch kennen gelernt hatte und wem er es schenken wollte. Der originellste kam von einem Pflegedienstleiter, der es bei einer Patientin entdeckt hatte und es sehr hilfreich fand: „Allerdings muss man aufpassen, dass sich Patienten dabei nicht totlachen!“

Diese Bemerkung regt mich an zu persönlichen Bemerkungen über das derzeitige Modethema „Humor in der Pflege“. Gewiss, Lachen ist gesund. Aber kein Kranker lacht, um wieder gesund zu werden, kein Sterbenskranker lacht, um leichter zu sterben. Lachen kann vielmehr plötzlich und unerwartet eine wohltuende, erleichternde, befreiende Begleiterscheinung in der Krankenpflege und Sterbebegleitung sein, für alle Beteiligten. Seit Jahren sammle ich Beispiele eines solchen Lachens und habe dabei eine interessante Beziehung zwischen Humor und Hospizarbeit festgestellt: Die Hospizarbeit orientiert sich ja an den körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen und Leiden sterbender Menschen. Auf wundersame Weise kann nun der Humor positive Wirkungen in all diesen vier Bereichen haben. Und er nimmt auch seine Anlässe zum Lachen aus diesen Bereichen. Das Buch „Wer bis zuletzt lacht, lacht am besten“ bietet dazu viele Beispiele.
Heinz Hinse


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Web-Site zum Buch:

www.werbiszuletztlacht.de/

Die Bilder wurden entnommen:
Hinse, H. (2015). Wer bis zuletzt lacht, lacht am besten. Bern: Hogrefe
https://www.hogrefe.de/shop/wer-bis-zuletzt-lacht-lacht-am-besten-71764.html

Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

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Harald-Alexander Korp

Harald-Alexander Korp

Harald-Alexander Korp (1961) ist Leiter des Humorressorts bei Elysium.digital.
Studium der Religionswissenschaft, Philosophie, Physik. Lehrbeauftragter am Fachbereich Religionswissenschaft Ludwig-Maximilians-Universität München und Georg-August-Universität Göttingen. Lach-Yoga-Trainer, zertifizierter Humor-Coach (HCDA), Hospizmitarbeiter. Lebt als Autor in Berlin.
Harald-Alexander Korp

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